WIE STEHT’S UM MEIN GEBET?
Ohne Gebet kann man nicht erlöst werden. Selbst wenn wir eine grosse Anzahl guter Werke vollbringen, erlangen wir die Erlösung nicht, sofern wir nicht oft und gut beten. Das Gebet öffnet die Augen der Seele, erinnert diese an die eigene Erbärmlichkeit, stärkt das Misstrauen gegenüber sich selbst und fordert sie dazu auf, bei Gott Zuflucht zu suchen. Ein frommer Christ legt seine ganze Hoffnung in Gott hinein und verlässt sich lieber nicht auf sich selbst.
Gott schaut nicht darauf, ob die Gebete lange und schön sind. Er möchte vielmehr, dass sie aus der Tiefe der Seele kommen, dass wir mit Ehrfurcht beten, aus der Sehnsucht heraus, ihm ähnlich zu werden. Gut beten kann also auch ein einfacher und Mensch ohne Bildung. Gott verzeiht auch den grössten Sündern, sofern sie aufrichtig darum bitten. Deshalb nutzt der Ungeist alle Mittel, um uns dazu zu bringen, das Gebet zu vernachlässigen. Wenn ich mich beim Gebet mit Schwierigkeiten und Verdruss herumschlage und mich dennoch vom Beten nicht abbringen lasse, ist dieses Gebet in den Augen Gottes noch verdienstvoller. Bete für alle, auch für die Feinde.
Damit das Gebet gottgefällig und für die Seele erspriesslich ist, müssen wir im Stand der Gnade sein, uns nach Umkehr sehnen und eine Abneigung gegen die Sünde haben.
Ein Sünder, der sich nicht bessern will, stellt eine Beleidigung Gottes dar. Vergeblich sind unsere Gebete und Opfer, wenn wir in der Sünde verharren!
Es gibt keine physische Heilung ohne Vergebung und geistige Heilung. Gott kann unser Gebet nur dann erhören, wenn wir alle Hindernisse beseitigen. Darum müssen wir jeder Sünde entsagen und allen alles vergeben.
Die Sünder gelangen ohne Gebet nicht zur Bekehrung. Die Verdammten kamen in die Hölle, weil sie nicht oder schlecht gebetet haben.
- Bete ich gar nicht oder nur wenig, um sicherzustellen, dass ich das Gebet bald hinter mich bringe? Verlasse ich mich darauf, dass andere für mich beten? Sind meine Gebete zerstreut und unvollendet, schlafe ich dabei ein?
- Lasse ich das Morgenund Abendgebet aus?
- Gehe ich zu Andachten? Bete ich den Kreuzweg oder Novenen? Bin ich ein Erwachsener, bete aber, gleich einem Kind, nur die Grundgebete? Bete ich für andere und für die Seelen im Fegefeuer?
- Bete ich mit Widerwillen?
- Bete ich nur dann häufiger, wenn ich mich in Schwierigkeiten befinde? Kommen in meinem Gebet Worte des Dankes zu kurz, während die Bitte um etwas immer präsent ist?
- Ziehe ich das Beten oder Beter ins Lächerliche? Stelle ich Andachten in Frage, verdrehe ich Worte?
Für Eltern:
Bringe ich meinem Kind das Beten bei? Dient mir widrigenfalls als Entschuldigung, mein Kind sei noch zu klein oder ich würde ihm kein gutes Beispiel abgeben? Falls das Kind klein ist, habe ich die Pflicht, mit ihm in seinem Namen zu beten und darauf zu achten, dass es seine Gebete verrichtet; es ist meine Aufgabe, ihm beim gemeinsamen Beten altersgemässe Gebete beizubringen und mich nicht damit zufriedenzugeben, dass es Kindergebete kann. Beherrscht mein erwachsenes Kind christliche Gebete wie den Rosenkranz oder den Barmherzigkeitsrosenkranz nicht, weil ich sie ihm aus Gleichgültigkeit oder mangelndem Interesse nicht beigebracht habe?
WIE BETEILIGE ICH MICH AN DER HEILIGEN MESSE?
- Höre ich sie mir nur der Form halber an?
- Bin ich zerstreut, störe ich, bin ich gelangweilt, schlafe ich, gebe ich Kommentare zum Priester, zu den Gläubigen, zur Predigt oder Dekoration in der Kirche ab? Ärgere ich mich, dass die heilige Messe zu lange dauert? Nehme ich aktiv am Geschehen der heiligen Messe teil (bete ich mit bzw. antworte ich auf die Worte des Priesters)? Murre ich, wenn ich keinen Sitzplatz habe? Sinke ich vor dem Herrn auf beide Knie?
- Denke ich, kaum habe ich die Kirche betreten, schon daran, wie ich sie schnellstens wieder verlassen kann?
- Nehme ich an der ganzen heiligen Messe teil, vom Anfang bis zum Segen, oder komme ich mit Verspätung? Danke ich Gott für die Gnade der heiligen Messe oder eile ich so bald wie möglich aus der Kirche?
- Bleibe ich den heiligen Messen fern, sei es aus Faulheit, Überzeugung oder Gleichgültigkeit? Dienen mir der Gesundheitszustand oder Pflichten als Ausreden (Ich muss kochen, lernen, erwarte Besuch, habe ein kleines Kind usw.)?
- Ich selbst bemühe mich nicht zur heiligen Messe, trage aber den anderen auf, auch für mich dorthin zu gehen?
Für Eltern:
Nehme ich mein Kind nicht in die Kirche mit, wodurch ich ihm Gnaden vorenthalte? (Meine Ausrede dafür ist, es sei zu klein, störe, ich könne mich nicht auf die heilige Messe konzentrieren, oder es ist meiner Faulheit zuzuschreiben…) Toleriere ich meinem Kind die Ablehnung des Messebesuchs oder bestärke es sogar darin (mit Ausreden wie: Es muss auf die Prüfung lernen oder es soll selbst entscheiden, ob es gehen will)? Vergesse ich immer wieder, dass ich vor Gott die Verantwortung für mein Kind trage? Wenn das Kind bereits im Erwachsenenalter ist, habe ich die Pflicht, es zu ermahnen. Gebe ich meinem Kind ein gutes Beispiel oder schicke ich es in die Kirche, ohne selbst hinzugehen?- Bin ich in unangemessener Kleidung zur heiligen Messe oder zur heiligen Kommunion gegangen (kurze Hosen oder kurzer Rock, Ausschnitt…)?
- Gehe ich zu protestantischen Feiern (evangelischen, calvinistischen)? Nehme ich protestantische Häresien an, verbreite sie, überzeuge auch andere davon? Frevle ich?
WIE EMPFANGE ICH DIE SAKRAMENTE?
- Gleichgültig? Aus Pflicht? Beichte ich einbis zweimal im Jahr? (Die Kirche auferlegt uns die Pflicht, wenigstens einmal im Jahr zu beichten – nicht etwa deshalb, weil das für die Seele ausreichend wäre, doch wenn sie es nicht so regeln würde, wie viele kämen dann nicht einmal dies eine Mal zum Busssakrament? Bin ich etwa auch einer von ihnen?)
- Empfange ich den Leib Christi mit Ehrfurcht?
- Bin ich im Stand der Gnade?
- Ist mein Empfang der heiligen Kommunion sakrilegisch?
- Ziehe ich die Sakramente ins Lächerliche und Unehrenhafte?
- Zweifle ich den Leib Christi an, indem ich protestantische Häresie betreibe? Habe ich den eucharistischen Jesus und sein unblutiges Opfer bei der katholischen Messfeier verschmäht und ihn zugunsten protestantischer (evangelischer, calvinistischer) Zeremonien preisgegeben?
- Habe ich den Empfang der heiligen Eucharistie aus Nachlässigkeit, Ängstlichkeit oder auch Scham vor den Leuten gemieden?
SAKRILEGISCHE BEICHTE
Zu einer guten Beichte braucht es nicht nur das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester und die Ausführung der auferlegten Busse! Mache dir nicht vor, man könne Gott mit irgendetwas Beliebigem abfertigen
und die verlorene Gnade leicht erwerben.
Das ganze Jahr gibst du dich mit weltlichen Dingen ab, kümmerst dich um deinen Besitz, um die Annehmlichkeiten des Lebens, arbeitest nicht an deiner Vervollkommnung bzw. Besserung und an Ostern gehst du dann zur Beichte, in der du deine Sünden bekennst, als würdest du irgendeine Begebenheit erzählen. Schliesslich sagst du gedankenlos und mechanisch ein paar Gebete auf und denkst, du wärest mit Gott im Reinen. Gleich nach der Beichte kehrst du zu deinem vorherigen Lebensstil zurück (Unkeuschheit, Vergnügungen, Tanzfeste, Beizen, Konkubinat, Fremdgehen, rote Armbänder, Horoskope; begangenes Unrecht, einen verübten Diebstahl hast du nicht in Ordnung gebracht)
nicht die geringste Spur von Wiedergutmachung ist zu erkennen! Jedes Jahr tust du in der Zeitspanne zwischen zwei Beichten dasselbe!
- Beichtest du gleichgültig, teilnahmslos, nur aus Gewohnheit oder mit Routine? Fehlt es bei dem, was dich antreibt, an Liebe zu Gott, an Reue, an der Bereitschaft sich zu bessern?
- Bekennst du deine Sünden nur allgemein und zählst manche davon nicht auf? Es ist möglich, den Priester zu täuschen, ihm Reue vorzugaukeln und ihm die Lossprechung zu entlocken, aber Gott zu täuschen, das schaffst du nicht. Eine solche Lossprechung wird Gott nicht bestätigen. Bedenke, dass dir deine Beichten, sofern du sie auf diese Weise ausführst, nichts bringen, und vielleicht sind sie sogar sakrilegisch! Es gibt Leute, die erst auf dem Sterbebett beichten würden, wenn ihnen die Kirche nicht gebieten würde, es jedes Jahr zu tun.
Praktiziere ich eine gute Gewissenserforschung?
Prüfe die Tiefen deines Herzens gründlich, verberge nichts vor dir selbst, so wie auch beim Jüngsten Gericht nichts verborgen bleibt. Je seltener jemand beichtet, desto mehr Zeit braucht er für die Gewissenserforschung.Meine Bereitschaft sich zu bessern ist zweifelhaft und gespielt, die Reue vorgetäuscht
(wovon auch die Rückkehr zum sündhaften Leben zeugt – wieder sitzt du in Beizen herum, begehst unkeusche Handlungen, nimmst Verhütungsmittel, vergnügst dich, gehst noch ein paar Mal zur heiligen Messe und dann nicht mehr, erst an irgendeinem Feiertag raffst du dich wieder dazu auf).Mangel an Reue:
Wer eine Sünde verheimlicht, empfindet eine innere Unruhe, die ihn wie ein wilder Tiger auffrisst. Fehlt es uns aber an Reue, dann schenken wir der betreffenden Sünde in unserer Verblendung keine Aufmerksamkeit. Wer sich davon überzeugen will, ob er beim Beichten echte Reue empfand, liest es am besten daran ab, ob er sein bisheriges Leben verändert hat.Ich verheimliche Sünden
vor dem Priester aus Angst davor, dass ich die Lossprechung nicht bekomme, oder aus Scham. Jemand wird sagen: „Niemand wird es wohl wagen, seine Sünden zu verbergen und sich dadurch häufigeren Gewissensbissen auszusetzen. Meine Brüder! Wenn ich das unter Eid bestätigen sollte, würde ich ohne zu zögern sagen, dass sich hier unter euch fünf von sechs solchen Sündern befinden. Ihr werdet euch davon beim Jüngsten Gericht überzeugen und euch daran erinnern, was ich euch heute gesagt habe.“ (Nach dem heiligen Jean-Marie Vianney)
Falls du sagst, du bekennest eine Sünde, die du bei der letzten Beichte vergessen habest, während du diese Sünde aus Faulheit oder Scham nicht erwähnt hast, dann begehst du einen Frevel. Todsünden unerwähnt zu lassen oder deren Anzahl zu verringern, ist eine Gotteslästerung (wenn ich deren drei auf dem Gewissen habe und nur zwei erwähne, mache ich mich der schweren Beleidigung Gottes schuldig). Sofern ich mich an die genaue Zahl der Sünden nicht mehr erinnern kann, gebe ich sie ungefähr an. Im Fall, dass du eine Sünde nur deshalb bekennst, weil dich der Beichtvater danach fragt, du also nicht im Sinn hattest, sie zu bekennen, so erwähnst du sie nun zwar, doch es bleibt unerwähnt, dass du die Absicht hattest, sie zu verschweigen.Auch wer begangenes Unrecht nicht wiedergutmachen will
, obwohl er es könnte, beichtet schlecht. Unselige Beichten legen auch Frauen, Männer – Jugendliche eingeschlossen – ab, die unerlaubte Beziehungen führen und sich weigern, sie aufzugeben. Diese Menschen fühlen sich meistens auch nicht schuldig und verbergen ihre Sünden. Wer Sünden verbirgt, will nicht den Priester hinters Licht führen, sondern will eigentlich Gott betrügen, obwohl das nicht möglich ist!
Ein Wutanfall wird als Ungeduld bezeichnet, genauso unsittliche Reden, die Ärgernis hervorrufen, nur als lockere Sprüche, schändliche Begierden und Taten nur als etwas ungebührliche Vertraulichkeiten, grosse Unrechttaten als kleine Ungerechtigkeiten, übertriebener Geiz bloss als eine etwas grössere Gebundenheit an irdische Güter. Von da her kommt eine ganze Reihe sakrilegischer Kommunionen.
Verberge ich die Umstände einer Sünde?
Ich habe gelästert, doch ich gebe nicht zu, dass dies meinem Stolz und Neid, meinem Hass und Beleidigtsein entspringt. Ich erwähne auch nicht, in welchem Mass ich den guten Ruf meines Nächsten beschädigt oder dass ich Lügen verbreitet habe.
Ich lasse unerwähnt, um welche Person es sich handelte – ob ich einen Priester, eine andere gottgeweihte Person oder einen Familienangehörigen verleumdet habe.
Du erwähnst, dich gegen den Glauben und gegen die Moral ausgesprochen zu haben, verschweigst aber, dass du den Glauben eines jungen Menschen erschüttert hast, um ihn zum Beispiel dazu zu bringen, deiner Begierde gegenüber eher nachzugeben.
Eine junge Frau beichtet, sich aufgeputzt zu haben, um anderen zu gefallen, fügt aber nicht hinzu, dass dahinter die Absicht stand, bei den anderen schlechte Gedanken, Unkeuschheit oder Sehnsüchte zu wecken…
Ein Vater beichtet, sich betrunken zu haben, lässt aber unerwähnt, welches Ärgernis er bei seiner ganzen Familie erregt hat.
Suchst du einen Weg, um dich gegenüber dem Beichtvater in einem besseren Licht dazustellen? (Über den Tonfall, über die Senkung der Stimme bei bestimmten Sünden, damit sie der Beichtvater nicht richtig hört; zuerst beichtest du die leichteren Sünden und wenn dadurch die Aufmerksamkeit des Beichtvaters nachgelassen hat, rückst du so leise wie möglich und sehr schnell mit den schweren Sünden heraus.) Hülle ich mein lasterhaftes Leben in das Mäntelchen der Tugend?
Ich rede mich heraus:
Zur Unkeuschheit hätten mich andere verführt, meinen Zorn habe der Nachbar provoziert, die heilige Messe hätte ich wegen einem Besuch ausgelassen, an Fastentagen hätte ich nur einmal Fleisch gegessen (ein anderer habe mich dazu verleitet), zum Lästern gäben mir die anderen Anlass durch ihr Verhalten, zum Morgen- und Abendgebet mit den Kindern fehle mir die Zeit… Der Mann beschuldigt seine Frau, die Frau ihren Mann, der Bruder seine Schwester, die Schwester ihren Bruder, der Diener seinen Herrn, der Herr seine Diener… Solche Leute klagen sich beim Beichten selbst an, indem sie „meine Schuld“ aussprechen, doch zwei Minuten später verteidigen sie sich und schieben die Schuld auf jemand anderen. Bin ich taub gegenüber den Vorwürfen meines Gewissens? Bin ich gleichsam stumm, wenn ich
meine Sünden bekennen soll?