Es fehlt mir an Demut und Zerknirschtheit
Wenn der Priester erkennt, in welchem Zustand sich meine Seele befindet, und mich auffordert, später zur Beichte zu kommen, weil er mich vor dem unwürdigen Sakramentenempfang bewahren will, beklage ich mich gleich, ich hätte keine Zeit, ich würde später nicht besser vorbereitet sein, ich ginge zu einem anderen Beichtvater, der mir problemlos die Lossprechung erteilen würde. Auf diese Weise verblendete Leute schaden sich selbst, denn der Beichtvater hat erkannt, dass sie die Bedingungen einer guten Beichte nicht
erfüllen, ihr Sündenbekenntnis war nur halbherzig, ohne Reue, und er musste ihnen Hunderte von Fragen stellen.
Welche Sünden hast du letztes Jahr gebeichtet? Und welche beichtest du jetzt? Welche wirst du in einem Jahr beichten, wenn dich Gott noch am Leben erhält? Denkst du nicht, es würden wiederum dieselben sein?
Sofern du nur aus Gewohnheit betest, willst du kein gottesfürchtigeres Leben führen. Zu den vorherigen Sünden kommt noch diejenige der Gotteslästerung hinzu, so dass du zu Satans Spielball wirst. Falls du über längere Zeit bei dir jeweils nach der Beichte nicht die geringste Veränderung zum Guten hin bemerkst, so liegt es daran, dass dir die vorherigen Beichten nichts brachten und sakrilegisch waren. Falls du dich in so einem Fall nicht wirklich besserst, erwartet dich die Verdammnis. In diese Falle sakrilegischer Beichten hat der Ungeist schon manche Seele hineingelockt, weil sich im Vollzug der sakrilegischen Beichte Blindheit und Verhärtung des Herzens offenbaren, die am Menschen nicht selten bis zum Tod haften bleiben.
Gewohnheitsmässige Sünde:
Durch das Anhäufen von Sünden wächst die menschliche Blindheit. Eine schlechte Gewohnheit blendet das Gemüt, verhärtet das Herz und macht den Menschen aufsässig bis zu seinem Tod. Ein solcher Mensch wird kaum erlöst werden.
Wir sehen, wie der Sünder von Sünde zu Sünde schreitet und eine Besserung nicht einmal mehr in Betracht zieht. Eine schlechte Gewohnheit verstellt Sündern den Blick auf das Böse, das sie tun. Und so leben sie, als ob sie nicht mehr daran glauben würden, dass es Gott, den Himmel, die Hölle und die Ewigkeit gibt. Anstatt sich ob ihrer Sünden zu grämen, haben sie Spass daran, lachen darüber und prahlen sogar damit! Was bedeuten all diese teuflischen Anzeichen von Verstocktheit? Der heilige Thomas von Villanova behauptet, dies seien Vorboten der Verdammnis. Der heilige Hieronymus behauptet, Gewohnheitssünder verlören durch
ihr Sündigen jedwedes Schamgefühl.
Du redest dir ein, du würdest dich einmal mit Gott versöhnen.
Bedenke jedoch, dass du vielleicht nicht mehr Zeit dazu haben wirst, denn der Tod kann dich unvermittelt ereilen, während du in Sakrilegien vergraben bist. Darauf folgen in der Todesstunde im Regelfall die Verhärtung des Herzens und die Verzweiflung. Bringe die vorangehenden Beichten schnell wieder in Ordnung, indem du deine Sünden aufrichtig und vollständig bekennst. Tust du es nicht, wird sie Gott vor der ganzen Welt einmal verkünden.
Wenn du sie hingegen selbst bekennst, fallen sie in ewige Vergessenheit. So findest du im Busssakrament Vergebung, Seelenfrieden und in deiner Todesstunde das ewige Leben. Jede Sünde, besonders die schwere, bewirkt den Verlust der Gnade Gottes und gibt dem Teufel die Möglichkeit, in unserem Leben zu wirken. Dann greift der Teufel nicht nur denjenigen Menschen an, der die Sünde begangen hat, sondern auch seine Angehörigen.
Wenn zum Beispiel ein Elternteil eine schwere Sünde begeht, fangen seine Kinder an zu kränkeln. Jemand wird einwenden: „Wenn ich diese Sünde begehe, warum muss ich gleich verdammt werden? Vielleicht werde ich ja doch noch erlöst.“ Die passende Antwort wird lauten: „Aber vielleicht wirst du verdammt!“ Würdest du in einen Brunnen mit den Worten „Möglicherweise entrinne ich dem Tod“ springen? Nein! Wie kannst du nur dein ewiges Leben auf so eine schwache Hoffnung gründen, auf irgendein Möglicherweise oder Vielleicht“? Die Gebote Gottes sind nicht grausame Verbote, sondern Weisungen, die uns vor dem Unglück bewahren sollen.
Wir wissen nicht, welche Sünde die letzte sein wird.
Gott bestimmt für jeden Menschen die Lebensjahre, die Gesundheit und die Geistesgaben, die er ihm schenken will. Ebenso legt er jedem die Zahl der Sünden fest, die er ihm vergeben will. „Es ist angemessen zu bedenken“, sagt der heilige Augustinus, „dass Gottes Geduld den Sünder eine gewisse Zeit lang erträgt.
Wenn diese Zeit erschöpft ist, findet für den Sünder keine Verzeihung mehr statt.“ Dasselbe sagt Eusebius von Cäsarea: „Gott wartet bis zu einer bestimmten Anzahl von Sünden und dann verlässt er den Sünder.“ Und das Nämliche sagen auch weitere heilige Väter, und zwar nicht etwa aufs Geratewohl. Ihre Überzeugungen sind auf die göttliche Schrift gegründet.
„Wegen der verziehenen Sünde sei nicht ohne Furcht und begehe nicht eine Sünde über die andere.“ (Sir 5,5)
„Der Herr wartet mit Geduld, dass er sie [die anderen Völker], wenn der Tag des Gerichts kommen und das Mass der Sünden erfüllt sein wird, strafe. (2Makk 6,14) Gott wartet also bis zum Tag, an dem das Mass der Sünden voll sein wird, und dann beginnt er zu strafen. Von dieser Strafe gibt es in der Heiligen Schrift viele Beispiele. Hierher gehört besonders Saul, den Gott verliess, als er ihm das letzte Mal ungehorsam war. Es gibt Menschen, die Nachforschungen über die Anzahl der Sterne, die Menge der Engel oder die Zahl der
Lebensjahre, die jemand haben wird, anstellen; wer aber kann sich auf die Erforschung der Sündenzahl verlegen, die einem Gott verzeihen will? Und deshalb muss man Befürchtungen haben. Wer weiss, mein Bruder, bei welchem Gedanken, bei welcher Sünde, die du dir erlauben wirst, dir Gott keine Verzeihung mehr schenkt? (Nach den Ausführungen des heiligen Alphons Maria von Liguori)
Gottes Barmherzigkeit ist unendlich, wie viele aber bewahren ungeachtet dessen ihre Seele nicht vor der Verdammung? Gott rettet den, der einen guten Willen hat. Er vergibt die Sünden, doch den Willen zu sündigen kann er nicht verzeihen.
Du wirst einwenden: „Aber ich bin jung.“ Gott hingegen zählt nicht die Jahre, sondern die Sünden. Das Mass der Sünden ist nicht für alle gleich. Einem vergibt Gott hundert, einem anderen tausend Sünden und einen anderen wiederum wird er bei der ersten Sünde in die Hölle verstossen.
Wie viele ereilte ein solches Ende? Der heilige Gregorius erzählte, es sei ein Kind von fünf Jahren in die Hölle gestürzt worden, weil es eine Gotteslästerung ausgesprochen habe. Die allerheiligste Jungfrau offenbarte der Dienerin Gottes Benedicta von Florenz, es sei ein Mädchen von zwölf Jahren schon nach der ersten Sünde verdammt worden. Ein anderes achtjähriges Kind starb auch nach der ersten Sünde und wurde verdammt. Vielleicht möchte jemand Gott fragen, warum er in einem bestimmten Fall drei Sünden verzeiht, die vierte aber nicht. Hierin müssen wir das göttliche Urteil achten und mit dem Apostel ausrufen: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“ (Röm 11,33) Der heilige Augustinus sagt: „Er weiss, wen er verschonen und wen er nicht verschonen soll. Welchen Barmherzigkeit erwiesen wird, denen wird sie aus Gnaden erwiesen; welchen sie nicht zuteil wird, denen wird sie aus Gerechtigkeit nicht gewährt.“ (Lib. de Corrept, cap. 5)
Bedenke: Weil dich Gott bisher nicht bestraft hat, muss es deswegen so bleiben? Wenn das Mass deiner Sünden voll wird, kommt der Augenblick der Strafe. „Denn der Allerhöchste ist ein geduldiger Vergelter.“ (Sir 5,4) Es kann der Fall eintreten, dass du mit einer Sünde für alles bezahlst. Je grösser Gottes Barmherzigkeit war, desto strenger wird die Strafe sein. Je grösser das Licht war, das Gott dir gegeben hat, desto grösser wird deine Verblendung und Verstockung in der Sünde sein.
Wenn ihr jetzt sündigt, so wird euch Gott vielleicht die Zeit für Reue gewähren, und vielleicht auch nicht. Und gewährt er sie euch nicht, wie wird es dann in der ganzen Ewigkeit um euch stehen?
Wie soll ich dieses Übel wiedergutmachen?
Wiederhole deine Beichte, angefangen mit derjenigen, die als sakrilegische in Frage kommt. Sage, wie viele solcher Beichten sowie sakrilegischer Kommunionen es gegeben haben kann; sage, welche Sünde du verheimlicht hast und ob du versucht hast, die anderen Sünden wiedergutzumachen. Lieber Christ, dein gütiger Herr will dich retten und ruft dir deshalb unaufhörlich ins Bewusstsein: „Mein Kind, sündige nicht mehr, sondern bitte um die Vergebung deiner begangenen Sünden.“
Der Grund für schlechte Beichten liegt auch darin, dass Umstände, die den Charakter einer Sünde verändern, nicht erwähnt werden, was eine Art von Verschleierung ist.
Ich habe mich zum Beispiel betrunken, der üblen Nachrede schuldig gemacht, ich habe gegen die Keuschheit gesündigt, war zornig und habe mich gerächt. Worauf es tatsächlich ankommt, ist: Wie oft wurde die betreffende Sünde begangen? Geschah dies in der Kirche, vor Kindern oder vor Kollegen? Waren mehrere Leute dabei? Hatte die Verleumdung eine rufschädigende Wirkung? War der unkeusche Gedanke mit der Lust verbunden, ihn auszuführen? Hast du aus Unwissenheit, aus einer Überlegung heraus oder aus Bosheit gesündigt? Hast du eine Sünde nach der anderen gereiht, weil du dachtest, bei der Beichte komme es ohnehin aufs Gleiche hinaus, ob du eine kleine oder grosse Anzahl von Sünden bekennst?
EINE GUTE BEICHTE
Die Beichte ist göttlichen Ursprungs. Jesus Christus hat sie eingesetzt, indem er seinen Aposteln und ihren Nachfolgern sagte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20, 22-23) „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 18.18)
Der Heiland auferlegt uns mit Verweis auf die Konsequenz des Heilsverlusts, alle Sünden zu bekennen. Davon ist niemand ausgenommen, angefangen vom Papst bis hin zum letzten Diener. Wir müssen die Sünde von ganzem Herzen hassen und müssen bereuen, dass wir den gütigen Gott beleidigt, seine Gnaden verschmäht, auf die Stimme des Gewissens nicht gehört haben; dass wir lange Zeit im Zustand der Sünde verharrt sind. Wer echte Reue empfindet, zeigt das Bestreben, sich mit Gott zu versöhnen und begangenes Unrecht so bald wie möglich wiedergutzumachen. (Ich warte damit nicht bis zur österlichen oder weihnachtlichen Beichte,
sondern beichte bei der nächsten Gelegenheit.) Eine gute Beichte soll sich durch Demut, Einfachheit, Klugheit, Vollständigkeit und Aufrichtigkeit auszeichnen. Erforsche dein Gewissen gründlich. Bete zum Heiligen Geist und vertraue dich der Muttergottes an. Bitte um die Gnade einer guten Beichte. Suche dir nicht absichtlich einen angenehmen Beichtvater aus, der dich kaum ausfragen wird, oder stelle dich nicht zielstrebig in eine Reihe, in der man wegen offensichtlich kurz gehaltenen Beichten schnell vorankommt usw.
Rücke in deiner Rolle als Selbstankläger mit der Sprache heraus, statt die Fragen des Beichtvaters abzuwarten. Antworte deinem Beichtvater nie auf arrogante Weise, verwandle dich nicht in einen verstockten Sünder. Wenn dir der Priester eine Busse auferlegt, die dir unverhältnismässig schwer erscheint, oder wenn er dir gar die Lossprechung verweigert, murre nicht, sondern nimm es in demütiger Haltung an, denn das Bussgericht ist das Gericht des Herrn Jesus Christus selbst, der uns dabei höchstpersönlich zuhört, uns Fragen stellt und das Urteil der Vergebung ausspricht. Falls du nicht in der Lage bist, die auferlegte Busse auszuführen, schäme dich nicht, den Beichtvater um eine Anpassung der Busse zu bitten (gesetzt den Fall, dass du nicht lesen kannst und zur Busse eine Stelle aus der Heiligen Schrift lesen sollst oder dass du ein auferlegtes Gebet nicht kennst und es somit nicht verrichten kannst). Wälze nie die Schuld auf andere ab, spreche nicht über die Sünden der anderen. Verteidige dich nicht, rechtfertige nicht dein Handeln, sondern beschuldige dich! Stelle dich dem Beichtvater im rechten Licht dar. Meide unnötige Worte und rede nicht
hundertmal nacheinander um ein und dieselbe Sache herum. Wenn etwas zweifelhaft ist, dann ist es auch als etwas Zweifelhaftes zu vermitteln. Falls du sagst, du habest dich nicht mit bösen Gedanken herumgetragen, du dir aber nicht sicher bist, ob du nicht Gefallen an solchen Gedanken hattest, ist das als Mangel an Aufrichtigkeit zu werten. Falls es dir schwerfällt, eine bestimmte Sünde zu bekennen, falls dich dabei Scham überkommt, dann bitte deinen Beichtvater um Hilfe: „Herr Pfarrer, helfen Sie mir bitte, denn ich habe eine Sünde auf dem Gewissen, die ich nicht zu bekennen wage.“ Die Beichte soll vollständig sein, es ist erforderlich, alle Sünden zu bekennen, ihre Art, Zahl und die damit verbundenen Umstände.
Falsch beichtet derjenige, der sagt: „Ich habe die heilige Messe verpasst, habe gestohlen, geflucht, ich war hochmütig, ich habe obszön geredet“ usw.
Das genügt nicht. Man muss sagen, wie oft das geschehen ist, und die Umstände angeben, von denen die Schwere und die Art der Sünde abhängt. Wer mit einer anderen Person die Sünde der Unkeuschheit beging, muss erwähnen, ob diese Person verheiratet ist, ob man mit ihr verwandt ist oder in welcher Art von Beziehung man zu ihr steht… Bestimmte Umstände führen dazu, dass die Sünde schwerer wiegt. Wenn wir sie in Anwesenheit anderer Personen, schlimmstenfalls vor Kindern, begehen, erregen wir Ärgernis. Eine Kneipentour und das Sichbetrinken am Sonntag ist eine schwerwiegendere Sünde, als wenn das im Alltag geschieht, denn Sonn- und Feiertage sind dem Dienst für Gott gewidmet. Unsittliche Vergnügungen und Tänze sind immer eine schwere Sünde. Bei langfristig vorkommenden Sünden muss man angeben, wie lange die Abhängigkeit dauert. Zufällig vergessene Sünden vergibt Gott, aber es ist geboten, sie bei der nächsten Beichte zu bekennen, wenn sie einem wieder in den Sinn gekommen sind. Es ist erforderlich, alle, auch die lässlichen Sünden zu beichten, denn eine Sünde, die in unseren Augen lässlich erscheint, kann aus der Sicht Gottes schwer sein. Diese Haltung spornt uns zu mehr Aufmerksamkeit an, die Belehrung des Beichtvaters kann uns zur Besserung bewegen und die Lossprechung gibt uns die Kraft, diese Sünden künftig zu vermeiden. Wenn du feststellst, dass du schlecht gebeichtet hast, verliere keine Zeit und Sorge schnellstmöglich für die Behebung dieses Übels.
Die Seele ist in den Augen Gottes so schön, dass Gott selbst sie lobt. Es scheint, dass der Herr seine Augen und Ohren nicht von einer Seele abwenden kann, die ihn liebt, was immer sie auch verlangt. Welch unendliche Verdienste kann eine Seele erwerben, die in der Gnade Gottes lebt!